Themenmonat Juni: Ein gerechter Wandel der Mobilität
In unserer Studie geht es um gesunde und gerechte Mobilität. Doch was heißt „gerecht“? Wir stellen dazu ein besonders wichtiges Modell aus der Nachhaltigkeitsforschung vor: das Donut-Modell (Raworth, 2018) [1]. Es zeigt, wie ein gutes Leben für alle möglich ist, ohne dabei die ökologischen Grenzen des Planeten zu überschreiten. Deutlich wird: Mobilität muss so gestaltet sein, dass sie die Bedürfnisse aller Menschen erfüllt und eine gesunde Umwelt auch in Zukunft erhält.
Infografik: Donut-Modell zum Zusammenspiel von planetaren und sozialen Grenzen von Kate Raworth (2018). © Lone Thomasky / AMBER 2026.
Zur barrierefreien Text-Version geht es hier. / Bild-Datei herunterladen.
Das Donut-Modell
Viele kennen Donuts als ringförmige Gebäckstücke. Anknüpfend an diese Form bezeichnet die britische Ökonomin Kate Raworth ihr Modell als Donut-Ökonomie [1]. Der äußere Rand des Donuts (in der Infografik grün) steht für die ökologischen Grenzen unseres Planeten, auch planetare Grenzen genannt, die wir nicht überschreiten dürfen. Der innere Rand (rot) zeigt die menschlichen Bedürfnisse und somit, was Menschen zum Leben brauchen. Dazwischen liegt der „sichere und gerechte Raum“ (Donut in blau), in dem ein gutes Leben für alle möglich ist, ohne die Umwelt zu zerstören.
Das Modell zeigt also, in welchem Rahmen wir als Menschheit gut leben können, ohne die Erde zu überlasten. Es ermöglicht, die ökologische und soziale Ebene zusammenzudenken und Visionen für einen gerechten Wandel für unsere Gesellschaft zu entwickeln.
Planetare Grenzen respektieren
Wie viel kann die Erde aushalten, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten? Planetare Grenzen zeigen, wie wir mit Ressourcen umgehen sollten, damit die Erde auch für zukünftige Generationen lebenswert bleibt. Forschende nennen derzeit neun solcher Grenzen. Schon sechs davon sind überschritten, was gefährlich ist für die Stabilität unserer Lebensgrundlagen [2, 3].
Auch unsere heutige Mobilität trägt zur Überschreitung der planetaren Grenzen bei:
- Autos, Flugzeuge und Schiffe stoßen viel CO₂ aus und treiben den Klimawandel an [4].
- Straßen und Parkplätze versiegeln Böden und zerstören Lebensräume für Tiere und Pflanzen, was zu massiven Landnutzungsveränderungen führt [5].
- Abgase aus dem Verkehr verschmutzen die Luft („Aerosolbelastungen der Atmosphäre“), was der Umwelt und unserer Gesundheit schadet [6].
- Auch den Eintrag neuartiger Substanzen, zum Beispiel Mikroplastik, treibt der Verkehr voran: etwa durch den Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßen sowie Motorverschleiß [7].
Ein Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität ist deshalb dringend notwendig, um die Erde als lebenswertes Zuhause für uns alle zu erhalten.
Verschiedene Bedürfnisse anerkennen und erfüllen
Menschliche Bedürfnisse sind das Fundament des Donut-Modells. Es geht darum, was Menschen für ein gutes Leben brauchen. Werden diese Bedürfnisse nicht erfüllt, leben Menschen im „Loch“ des Donuts, also im Mangel.
Mobilität spielt dabei eine wichtige Rolle: Sichere und saubere Wege – etwa für Rad- oder Fußverkehr – fördern Gesundheit und Lebensqualität [8]. Wer mobil ist, kann am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, zum Beispiel an kulturellen Angeboten oder politischen Entscheidungen [9].
Nicht alle Menschen können Mobilitätsangebote gleich gut nutzen:
- Menschen mit wenig Geld können sich oft kein Auto oder Fahrrad leisten und haben manchmal auch Probleme, Bus oder Bahn zu bezahlen [9, 10].
- Menschen mit Behinderung stoßen oft auf Hindernisse, weil viele Haltestellen oder Fahrzeuge nicht barrierefrei sind [11].
- Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen, die einer ethnischen Minderheit angehören, erleben manchmal Diskriminierung im Verkehr, beispielsweise ungerechtfertigte Kontrollen [12].
- Frauen sind oft in der Mobilität benachteiligt, weil ihre vielfältigen Wege und Bedürfnisse bei der Verkehrsplanung weniger berücksichtigt werden [13].
- Kinder können sich oft nicht frei oder sicher in der Stadt bewegen, weil die Straßen zu gefährlich sind oder es keine sicheren Wege für sie gibt [14].
Manche Menschen sind von verschiedenen dieser Benachteiligungen gleichzeitig betroffen, etwa eine Frau mit Behinderung oder eine Schwarze Person mit geringem Einkommen [15]. Das macht es für sie noch schwerer, gut und sicher unterwegs zu sein. So wird Mobilität zur Frage von Gerechtigkeit. Um die Bedürfnisse aller zu erfüllen, braucht es gesellschaftliche Veränderungen – hin zu einer fairen und nachhaltigen Mobilität für alle [16].
Wie kann Wandel für eine gesunde Mobilität für alle aussehen?
Das Donut-Modell hilft dabei, anders als bisher über Mobilität nachzudenken. Es lenkt den Fokus auf ein Gleichgewicht zwischen sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz. Konkret heißt das zum Beispiel: weg von einer Stadt, die vor allem für Autofahrende gebaut wurde, hin zu öffentlichen Räumen, in denen alle Verkehrsteilnehmenden gesund, nachhaltig und sicher unterwegs sein können.
Wie das aussehen kann?
- barrierefreier, gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr
- sichere und barrierefreie Wege für Fußgänger:innen und Rollstuhlfahrende
- eine sichere Infrastruktur für Radfahrende
- kurze Wege, die im Alltag ohne Auto zurückgelegt werden können
- mehr Platz für Stadtgrün und weniger versiegelte Straßen [17]
- Sitzgelegenheiten und schattige Orte
Veranstaltungstipps im Juni
04. Juni – Geh-Meinsam - Stadtspaziergang in Frankfurt (Oder)
Eine Gruppe von Frankfurterinnen und Frankfurtern, haben einen regelmäßigen Stadtspaziergang ins Leben gerufen. Ihre Motivation: Menschen in Frankfurt miteinander zu verbinden, Gemeinschaft zu fördern und Einsamkeit zu verringern. Die Spaziergänge dauern etwa 60–90 Minuten und finden auch bei Regen und Hitze statt.
Mehr Informationen
07. Juni – ADFC-Sternfahrt
Bei der Fahrraddemo Sternfahrt vom ADFC geht es gemeinsam auf die Straße für mehr nachhaltige Mobilität. Die insgesamt 20 Routen vereinigen sich nach und nach, Ziel ist nachmittags der Große Stern in Berlin.
10. Juni – Tag der offenen Tür an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Am 10. Juni 2026 von 10.00 - 14.00 Uhr stehen allen Studieninteressierten die Türen an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) offen. Auf dem Programm stehen interessante Vorträge aus den Fakultäten, Bibliotheksführungen, Campus-Spaziergänge und eine Wohnheim-Bustour.
Mehr Informationen